Waldsterben im Grabfeld z.B. Sulzdorf an der Lederhecke

Der Klimawandel hat das Grabfeld erreicht

Mit dem Wald stirbt auch die Waldwirtschaft

Sterbende Fichten und Eichen bei Serrfeld

Der sterbende Wald, aufgenommen an den Holzwíesen bei Serrfeld.

Der Waldweg im Altholz bei Sternberg demonstriert das Dilemma: Auf über 100
Metem Strecke lagern hier F ichtenstämme am Wegesrand. Gut 900 Festmeter sind
es jetzt schon, am Ende werden es wohl an die 2000 sein, schätzt Förster Bemhard
Kühnel. Alles Bäume, die gefällt werden mussten, weil sie vom Borkenkäfer
befallen sind. Weil sich Buchdrucker und Kupferstecher. wie die beiden in Bayem
hauptsächlich vorkommenden Arten heißen, sich ausschließlich über die Fichte
hermachen, besteht fiír die Laubbäume im Altholz keine Gefahr.

Zwar machen die Insekten keinen Unterschied zwischen Staats-, Gemeinde- und
Privatwald, doch Sulzdorfs Bürgermeisterin Angelika Götz, die selbst aus einem
holzverarbeitenden Betrieb stammt, macht sich in erster Linie Sorgen um die
Privatwaldbesitzer. Die hätten gar keine andere Wahl, als ihre vom Borkenkäfer
befallenen Bäume aufarbeiten zu lassen, bekämen aber. im Gegensatz zu den
Landwirten, keinerlei Hilfen vom Staat. Dabei seien Waldwirte sowieso viel
schlechter dran als Bauem. Während die nach einer Dürreperiode mit hohen
Ernteausfalllen neben Hilfen auch auf ein besseres Folgejahr hoffen können, blieben
die Waldbauern auf ihrem aktuellen und dauerhaften Vermögensschäden sitzen.
Schließlich dauere es Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, bis ein Wald
wirtschaftlich genutzt werden könne.

Deshalb hat sich die engagierte Bürgermeisterin dazu entschlossen, sich mit einer
Art Brandbrief an die Staatsregierung zu wenden, um den Entscheidungsträgern die
prekäre Situation der Privatwaldbesitzer deutlich zu machen. „Der private
Waldbauer, der von der Forstwirtschaft lebt, verliert gerade seine Existenzgrundlage
und wird dabei von behördlicher Seite völlig allein gelassen“, schreibt sie in dem Brief, dessen Inhalt auch von den Bürgermeistern der Grabfeld-Allianz unterstützt
wird.
An einem Beispiel, bei dem auf sieben Hektar Wald 900 Festmeter Käferholz
angefallen sind, erläutert Götz das Problem: Für 300 Festmeter, dem sog.
Giebelholz, das zu Hackschnitzel verarbeitet wird, gibt es gar kein Geld. Bleiben
600 Festmeter in Brennholzqualität. für die man derzeit - bei fallender Tendenz -
mit Einnahmen von rund 15 000 Euro rechnen könne. „Dieses Geld geht aber
komplett für den Harvestereinsatz und fiír das Rücken drauf“, sagt Angelika Götz.
Als zusätzliche Ausgabe kämen aber noch rund 8000 Euro fiír den Transport dazu.
Gerade Leute mit kleineren Flächen könnten sich das nicht mehr leisten, so die
Bürgermeisterin weiter und sähen sich zunehmend dazu gezwungen, ihre
Waldflächen zu niedrigen Konditionen zu verkaufen. In Fachkreisen wird Von
Dumpingpreisen von 30 bis 40 Cent fiir einen Quadratmeter Wald mit
Käferholzbestand gesprochen.
Finanzielle Hilfe steuert die öffentliche Hand schon bei. Seit 1.7. gibt es vom bayer. Staat bis zu 12 E Hilfe fiir die Aufarbeitung von 1 fm Käferholz. Das Angebot gilt nur bis zum Jahresende. Dass es fiír viele kleine Waldbesitzer schwierig wird, steht aber auch für ihn außer Frage, zumal sie ja auch verpflichtet sind, binnen drei Jahren die gerodeten Flächen wieder aufzuforsten.
Auch hierfiir gibt es Zuschüsse. allerdings endgültig nur dann, wenn die meisten
Pflanzen in fiinf Jahren auch noch leben. Angesichts der zunehmenden Trockenheit sei das Risiko aber enorm, dass hier immer wieder nachgepflanzt werden müsse.

„Das Grabfeld zählt zu den trockensten Gegenden in Bayern“ weiß Kühnel.
Die rund 500 Hektar Privatwald in Sulzdorf und seinen Gemeindeteilen verteilen
sich auf etwa 1000 Personen und Erbengemeinschaften. Dazu kommen noch 200
Hektar, die in „adeligem“ Besitz sind (Ortenburg und Bibraischer Wald). Die
Waldgenossenschafi Sulzdorf besitzt etwa 150 Hektar und die Waldkörperschaft
Obereßfeld rund 100 Hektar. Nicht nur die Fichte ist massiv geschädigt, auch die
Eiche leidet an manchen Standorten, wie bei Sternberg. Und dabei hat der Sommer
noch gar nicht seinen Höhepunkt erreicht. Was könnte jetzt noch helfen? Die
Antwort muss Kühnel nicht lange überlegen. 30 bis -40 Liter Regen sofort und über
Nacht, damit auch Wasser aın Boden ankommt."

(Bericht vom Michael Petzold in der Mainpost vom 19.7.2019)

 

 

Echo der Lederhecke - 147. Ausgabe Oktober - Dezember 2019

Ihre Meinung zu diesem Artikel

botMessage_toctoc_comments_9210

Nach oben